16. Zwischen Preisdruck und Nachhaltigkeit – Wie sich Handel und Konsum verändern
Shownotes
Moderation: Thomas Splett, Effizienz-Agentur NRW
Wie verändert sich unser Konsumverhalten in Zeiten von Inflation, Krisenstimmung und digitalem Wandel? Welche Chancen hat der stationäre Handel gegenüber Plattformen wie Amazon, Temu oder Shein? Und wie kann nachhaltiger Konsum künftig einfacher, glaubwürdiger und alltagstauglicher werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neue Folge der Podcast-Reihe „Ressourcen schonen. Zirkulär wirtschaften.“ der Effizienz-Agentur NRW (efa). Zu Gast sind zwei Expert:innen, die unterschiedliche Perspektiven auf Handel und Konsum einbringen: Philip Heldt, Referent für Ressourcenschutz und Wasser bei der Verbraucherzentrale NRW, sowie Jessika Kunsleben, Projektkoordinatorin und Themenverantwortliche „Handel & Konsum“ bei der Effizienz-Agentur NRW. Der Handel steht aktuell unter enormem Veränderungsdruck: Viele Verbraucher:innen achten stärker auf Preise, Innenstädte kämpfen mit sinkenden Besucherzahlen und Unternehmen sehen sich zunehmend mit Fragen zu Transparenz, alternativen Geschäftsmodellen und zirkulärer Transformation konfrontiert. Im Podcast sprechen die Gäste darüber, wie sich Konsumgewohnheiten verändern, welche Auswirkungen digitale Plattformen auf Handel und Nachhaltigkeit haben und welche Rolle zirkuläre Ansätze künftig spielen können.
Mehr Infos zum efa-Themenfeld „Handel & Konsum“ findet Ihr hier: https://www.efa.nrw/unsere-themen/handel-und-konsum
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Transkript anzeigen
00:00:02: Ressourcenschonen, Zirkulärwirtschaften.
00:00:05: Der Podcast der Effizienzagentur NRW.
00:00:12: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Ressource-Schonenserkulär Wirtschaften.
00:00:16: Inflation, Krisenstimmung, Onlineplattform, KI und gleichzeitig der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit.
00:00:23: Der Handel steht aktuell unter enormem Veränderungsdruck.
00:00:27: Viele Verbraucherinnen achten stärker auf Preise Innenstädte kämpfen mit sinkenden Besucherzahlen und Unternehmen müssen sich zunehmend fragen zu Transparenz, alternativen Geschäftsmodellen und zirkulärer Transformationsstellen.
00:00:40: Doch wie verändert sich unser Konsumverhalten wirklich?
00:00:43: Welche Chancen hat der stationäre Handel noch gegenüber Plattformen wie Amazon, Themo & Shein?
00:00:49: Wie kann nachhaltiger Konsum künftig einfacher und alltagstauglicher werden?
00:00:54: Und welche Rolle kann der Handel konkret bei der zirkulären Transformation der Wirtschaft spielen?
00:00:59: Darüber sprechen wir heute mit zwei Gästen, die ihre Perspektiven auf das Thema Handel und Konsum mitbringen.
00:01:05: Mit Philipp Heldt, Referent für Ressourcenschutz & Wasser bei der Verbraucherzentrale NRW... ...und mit Jessica Kunzleben, Projektkoordinatoren- und Themenverantwortliche Handel&Konsum bei der EFA.
00:01:17: Schön dass ihr beide heute dabei seid!
00:01:20: Hallo Thomas!
00:01:20: Hallo schön euch zu sehen!
00:01:22: Jessica starten wir direkt mit dir.
00:01:25: Laut IFH Köln hat mehr als die Hälfte der Menschen angesichts der aktuellen Krisen Angst ihren Lebensstandard künftig nicht mehr halten zu können.
00:01:32: Das steckt sich direkt im Konsumverhalten nieder, wie würdest du die aktuelle Stimmung im Handel beschreiben?
00:01:38: Die Stimmung am Handel ist eigentlich weniger von der klassischen Konsumzurückhaltung geprägt als vielmehr von einer Art strukturellen Verunsicherung denn Viele Menschen haben jetzt nicht unbedingt das Gefühl, unmittelbar arm zu werden.
00:01:51: Aber sie haben das Gefühl dass ihr ökonomisch die Kontrolle verlieren und genau das verändert dann auch das Konsumverhalten massiv.
00:01:57: Die IFR Daten zeigen uns ja mehr als die Hälfte der Konsumentin befürchten inzwischen den eigenen Lebensstandard künftig nicht mehr halten zu können.
00:02:06: Das führt automatisch nicht zu weniger Konsum aber zu deutlich rationaler im Konsum für Kaufentscheidungen, dass sie stärker legitimiert werden.
00:02:16: Dass ich sie mehr vergleiche und hinterfrage.
00:02:20: Und das ist für den Handel auch eine enorme Herausforderung.
00:02:23: Denn Kunden erwarten gleichzeitig niedrigen Preis, maximales Governance, hohe Transparenz, schnelle Verfügbarkeit – und das Ganze idealerweise auch noch gleichzeitig mit
00:02:33: Nachhaltigkeit.".
00:02:35: Das heißt ... Geiz ist geil, was wir ja noch vor ein paar Jahrzehnten hatten.
00:02:40: Fast dann nicht hundertprozentig aber wir haben doch ein starkes Preisbewusstsein bei den Konsumentinnen.
00:02:48: Philipp wenn wir da mal Richtung Nachhaltigkeit gucken könnte man sagen dass das angesichts der aktuellen Situation eher zu einem Luxusthema auch bei Konsumenten wird?
00:02:58: Ja und das kann man schon sagen Bei manchen Segmenten, nachhaltiger Konsum als Luxusthema gesehen wird.
00:03:05: Wenn man sich jetzt den Segment der Bio-Lebensmittel anschaut das läuft weiterhin.
00:03:09: auch Fairtrade verkauft sich nach wie vor gut.
00:03:12: Das funktioniert aber insgesamt ist natürlich auch bei den Verbraucher in hohe Skepsis zu beobachten im Bereich so was Markenprodukte angeht.
00:03:19: also was verspricht denn überhaupt die Marke an Mehrwert.
00:03:22: deswegen sind ja auch gerade die Eigenmarken der Lebensmittelmärkte so gefragt.
00:03:26: das kann man auch sagen.
00:03:28: Aber dass das nachhaltiger Konsum teuer ist, das ist halt schon wirklich so ein Credo was viele in den Köpfen haben und wir versuchen da eigentlich gegen anzuarbeiten weil zum Beispiel Gebrauchtware zu kaufen oder Sachen zu reparieren.
00:03:39: Ist ja auch nachhaltige Konsum.
00:03:40: Das wird aber gar nicht so gesehen und da sehe ich auch eine riesen Chance für den Handel und für die Hersteller auch noch stärker einzusteigen um da ne neue Gewinnmage für sich zu machen, weil die meisten gebraucht waren an Gebote ja eigentlich eher außerhalb des Handels oder das regulären Handel stattfinden.
00:03:55: Und ja, so zum Thema Geiz ist geil.
00:04:00: Ich würde sagen wir beobachten dass sich die Verbrauchergruppen einfach stark aufspalten.
00:04:05: also wir haben einfach sehr viele Verbraucherte jetzt mit den deutlich gestiegenen Preisen gerade im Lebensmittelbereich wirklich extrem haushalten müssen.
00:04:13: Verbrauchsentrale bietet ihr auch eine Kredit- und Schuldnerberatung an und da haben wir wirklich mittlerweile sehr lange Wartezeiten weil einfach viele Leute finanziell hemmungslos überfordert sind nach dem ganzen Preissteigerungen.
00:04:25: Die haben auch ganz andere Probleme, als sich überhaupt über nachhaltigen Konsumengedanken machen zu können.
00:04:30: Gucken wir nochmal auf den stationären Handel in diesem Zusammenhang.
00:04:34: Jessica, wir haben ja schon seit Corona eine Krisensituation gerade auch in den Innenstädten was Einzelhandel und Fachhandel angeht.
00:04:44: jetzt hat der Philipp gesagt dass aufgrund der aktuellen Situation zum Beispiel auch Marken dann gar nicht mehr so nachgefragt sind wo viele gerade stationäre Händler vielleicht auch darauf spezialisiert sind.
00:04:56: Wie ist denn aus deiner Sicht aktuell die Lage, gerade im stationären Handel in den Innenstädten?
00:05:02: Die eigentliche Krise der Innenstätte ist nicht unbedingt eine reine Frequenzkrise sondern es ist mir eine Art Funktionskrise Denn die Innenstäder haben jahrzehntelang quasi eine natürliche Monopolstellung inne gehabt.
00:05:14: also das war immer der Ort für den Handel.
00:05:16: ich begegne Leuten Ich kann da meine Versorgung sicherstellen Und diese Selbstverständlichkeit ist inzwischen verschwunden.
00:05:22: In den letzten Jahren.
00:05:23: heute konkurrieren die Innenstädte mit Plattformökonomien, die wir haben – mit vielen Leuten, die inzwischen im Homeoffice arbeiten und mit Lieferdiensten aber auch eine algorithmisch geprägten Produktsuche.
00:05:35: und auch einer veränderten Art, wie wir unsere Freizeit verbringen.
00:05:38: Und deshalb reicht es eben nicht mehr nur dass Innenstädte über den Einzelhandel gerettet werden sollen sondern die erfolgreiche Innenstadt der Zukunft ist jetzt keine reine Handelsfläche mehr sondern eine Art hybride sozialer Raum also wo es Gastronomie gibt wo es Kultur gibt wo's Services gibt wo die Aufenthaltsqualität hoch ist wo ich Dinge für die Gesundheit tun kann, für die Bildung und das Ganze verschmilzt dann natürlich ganz mit dem Handel.
00:06:06: Und wir sehen auch der Wettbewerb, der bewegt sich weg von dieser reinen Transaktion des Handels hin zu eher einer Aufenthaltsqualität, einer hohen
00:06:14: Interaktionsqualität.".
00:06:16: Gucken wir uns ein konkretes Beispiel an.
00:06:18: Wir hatten diese Auswertung vor kurzem gesehen, dass in vielen Innenstädten sowohl die Kaufkraft als auch die Ladendichte abnimmt.
00:06:27: Düsseldorf ist aktuell ein ganz positives Beispiel mit ich glaube drei bis sogar sechs Prozent Zuwachs.
00:06:33: Was zeichnet denn Düsseldov außer was machen sie anders?
00:06:37: Also erfolgreiche Städte verstehen das die Frequenz heute eben nicht mehr einfach automatisch entsteht sondern die muss aktiv erzeugt werden.
00:06:45: Und Düsseldorf ist deshalb interessant, weil dort verschiedene Faktoren sehr gut zusammenkommen.
00:06:50: Ich habe eine touristische Attraktivität der Stadt.
00:06:52: Es ist eine hochwertige Aufenthaltsqualität gegeben.
00:06:55: Es gibt eine sehr starke Gastronomie.
00:06:58: DüsselDorf an sich hat eine hohe Markenpräsenz als Stadt und es ist auch eine relativ konsequente urbane Inszenierung.
00:07:05: Das heißt die Stadt funktioniert nicht nur rein funktional sondern sie ist wirklich emotional aufgeladen.
00:07:10: Und auch das ist künftig entscheidend für solche zukunftsträchtigen Städte, dass die Innenstädte konkurrieren eben nicht mehr primär über das reine Sortiment.
00:07:20: Über den Einzelhandel denen sie anbieten sondern über die Relevanz der Stadt.
00:07:24: also die Frage lautet warum lohnt es sich für Menschen überhaupt physisch an diesem Ort zu sein?
00:07:30: Apropos physisch kommen wir noch mal darauf zurück.
00:07:32: du hast gerade schon das Thema Digitalisierung und auch Suchverhalten angesprochen.
00:07:37: Wir sitzen oft im Homeoffice und ganz schnell nutzt man dann mal KI-Shadbots, um gegebenenfalls auch nach Produkten zu suchen.
00:07:46: Wie verändert KI den Handel schon heute?
00:07:50: Das ist total spannend denn die KI verändert ja nicht nur ... Einfach die einzelnen Prozesse im Handel, sondern die ganze Architektur unserer Customer Journey, die wir erleben.
00:07:58: Denn bisher war ja die Sichtbarkeit vor allem eine Frage von einer Suchmaschine, die du benutzt und vom Plattform Ranking, dass du dir vielleicht für dein Produkt anguckst – auch über Social Media wurde ich Produkte erreichen!
00:08:09: Und jetzt ist aber eine ganz neue Ebene da, nämlich KI-gestützte Empfehlungssysteme und auch eine dialogbasierte Produktsuche.
00:08:17: Denn die Händler konkurrieren künftig nicht mehr um die Regalfläche oder um das Google Ranking sondern um eine algorithmische Vertrauenswürdigkeit.
00:08:26: Das heißt, die entscheidende Frage lautet nicht nur wird mein Produkt überhaupt gefunden, sondern wird mein Product von einem KI System als ein relevantes Produkt empfohlen und auch in der Empfehlung priorisiert.
00:08:41: Und dadurch werden natürlich strukturierte Produktdaten, die Transparenz, die Bewertung, die Nachhaltigkeitsinformationen und auch die ganze Konsistenz meines Handels zu einer strategischen Wettbewerbsfaktor.
00:08:57: Das ist eine neue Ebene, die haben wir so früher noch nicht
00:09:00: gehabt.".
00:09:04: KI hat ja Licht aber auch Schattenseiten, gerade auf den Verbraucherinnen sie nutzen.
00:09:09: Wie sind da so Erfahrungen von Seiten der Verbraucherzentrale?
00:09:12: Gibt es da Stolpersteine gerade auch für Konsumenten die das nutzen?
00:09:17: Auch in Richtung zum Beispiel Transparenz hattest du angesprochen Richtung Transparens von Nachhaltigkeit vom Produkten.
00:09:24: Ja klar also bei KI weiß ich letztendlich nie welcher Algorithmus dahinter steckt und wie weit quasi gewisse Shops durch Zahlungen oder sowas eben auch anders gerankt werden.
00:09:34: Das ist natürlich eine große Unsicherheit, deswegen empfehlen wir natürlich dann auch eher sich irgendwo neutral zu informieren und KI ist halt einfach nicht neutral.
00:09:42: also eine neutrale KI gibt es in meinen Augen noch nicht.
00:09:45: man versucht ja mittlerweile auch in Europa einige KIs großzuziehen die auch sehr gut funktionieren.
00:09:51: wie neutral die dann bei Kaufempfehlungen sind das müssten wir eigentlich auch nochmal untersuchen.
00:09:55: das wäre auf jeden Fall spannend.
00:09:56: aber ich würde mich beim Einkaufen höchstens Moderat von der KI beraten lassen und dann immer noch mal selbst kritisch gucken, welche Kriterien sind mir wichtig.
00:10:06: Aber es macht natürlich viel Arbeit und die KI verspricht diese Arbeit abzunehmen.
00:10:09: das ist was es so extrem verlockend macht.
00:10:12: aber da können wir halt immer nur an den mündigen Konsumenten oder die mündige Konsumentin appellieren mach dich selbst schlau nimm dir die Zeit zumindest für die teuren Konsumentscheidungen.
00:10:22: Du willst noch etwas sagen Schleswig?
00:10:23: Ja was würdest du denn deinem Erfahrungswert nach als neutrale Recherche bezeichnen
00:10:29: Dass ich mir erstmal selbstbewusst werde, welche Kriterien sind für ein Produkt wichtig?
00:10:33: Für mich persönlich.
00:10:34: Das kann ja für jeden anders sein danach zu gucken.
00:10:37: Ich finde die Ratschläge, die Stiftung Warentest oder Ökotest geben eigentlich auch mal relativ verlässlich weil ihre Tests sehr transparent machen.
00:10:45: da kann ich ja auch schon gucken nach welchen Kriterie haben sie getestet?
00:10:48: was wurde wie gewertet?
00:10:50: Prüf-Siegel, wie der blaue Engel oder so finde ich bleiben auch relevant.
00:10:53: Wenn ich sage mir ist ein nachhaltiges Produkt wichtig dann kann ich mich darauf mehr verlassen als wenn jetzt eine KI sagt die Waschmaschine ist gut.
00:11:00: Dann weiß ich nicht woher diese Empfehlung kommt.
00:11:02: beim Blauen Engel kann ich die Kriterien halt alle nachgucken.
00:11:05: Aber ja es kostet Zeit macht Arbeit.
00:11:08: aber ich sag mal für eine Investition von tausend Euro würde ich mir die Zeit unbedingt nehmen gerade in Zeiten knapper werden da Mittel und alles teurer wird.
00:11:16: dann will Produkt lange Zeit für mich gut ist und nicht in fünf Jahren wieder eine neue Waschmaschine kaufen, weil es irgendwie doch nicht so gut ist.
00:11:23: Ja das stimmt!
00:11:24: Weil wir sehen ja auch gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten dass paradoxerweise Kriterien wie zum Beispiel Langlebigkeit Qualität und Reparierbarkeit an Bedeutung gewinnen aber wie du schon eben sagst natürlich dann erstmal mit einem Rechercheaufwand verbunden sind um das Ziel zu erreichen.
00:11:40: Die Frage ist in diesem Zusammenhang auch Wie bequem sind wir?
00:11:44: Und wie viel als Verbraucher oder wieviel Zeit steckt man rein, dann wirklich kritisch zu hinterfragen.
00:11:50: Das spielt direkt auf die nächste Frage an, die ich da habe.
00:11:54: wenn wir nämlich den Blick zum Beispiel auf Plattformen haben wie jetzt Timo und Chein, der gewachsen sind ohne Ende.
00:12:00: Die ja auch wirklich scheinbar attraktiv sind für Verbraucher.
00:12:05: Dann stellt sich ja die Frage angesichts, ich sag mal Sachen Stichworte wie Fast Fashion wie viel dahinterfragt wird, was nachhaltig oder vielleicht sogar schädlich sein könnte von den Produkten die man nach Deutschland importiert.
00:12:19: Warum sind diese Anbieter so attraktiv Philipp?
00:12:22: Ja
00:12:22: sie sind einfach so attraktionativ weil quasi das Ziel haben das Gehirn größtenteils auszuschalten wenn man das mal ganz brutal sagen will.
00:12:29: Es gibt ja sogar bei Timo einige Faktoren im Shop, die man sogar als Glücksspiel titulieren könnte.
00:12:38: Welche Rabattemann bekommt und so?
00:12:39: Und das heißt er werden also ganz niedrige Hirnprozesse quasi angesprochen, die dann endorphinfrei setzen und andere Glücksphamone damit wir bloß shoppen.
00:12:48: der günstigen Preis sorgt auch dafür dass das wir gar nicht groß darüber nachdenken weil der finanzielle Verlust eben nicht hoch ist wenn das Produkt schlecht ist egal Dann waren es nur ein paar Euro.
00:12:57: und das sorgt eben auch dafür, dass ich mich nicht damit auseinander setze wie sehr gestellt wird und genau darauf basieren die Geschäftsmodelle.
00:13:04: Das geht auch eine ganze Weile gut.
00:13:06: Und dann melden sich Verbraucherinnen bei uns und sagen, ich habe das gekauft über ein Online-Plattform war saubillig.
00:13:12: Dann hat aber das Ladegerät plötzlich angefangen zu brennen oder das roch ganz komisch chemisch.
00:13:20: Jetzt mache ich mir Gedanken Aber es passiert erst hinterher nach dem Kauf.
00:13:24: und dann stellen die Leute fest Mensch, das lässt sich ja gar nicht mehr umtauschen weil der Händler irgendwo in Asien sitzt.
00:13:29: Die Rücksahne kosten sind das Fünffache dessen was das Produkt gekostet hat.
00:13:34: Und dann setzt vielleicht ein Nachdenkprozess ein, aber wenn man dann sagt, juristisch kann man jetzt gar nicht mehr viel machen bei Anbietern im Ausland sitzen.
00:13:43: Dann denkt man sich vielleicht, na ja kommt für die paar Euro, dann geht es beim nächsten Mal gut!
00:13:47: Das ist auch wieder so ein Glücksspielaspekt, den man da hat und das führt natürlich auch dazu dass eben viele Produkte bei uns im Land landen, die eigentlich gar nicht verkehrsfähig sind also wo der stationäre Handel die gar nicht verkaufen dürfte.
00:13:59: Da muss man sagen, da ist auch einfach eine große Ungerechtigkeit und deswegen sind wir als Verbrauchersentrale für die sogenannte Plattformhaftung.
00:14:06: Das heißt ein Anbieter der in Deutschland Produkte verkauft, muss garantieren dass alles was verkauft wird den deutschen Normen entspricht sonst darf er den Markt nicht betreten Und das gilt eben für den stationären Handel sowieso Der wird aber besser überwacht.
00:14:21: Für den online Handel musste es aber auch gelten.
00:14:23: Sonst haben wir natürlich im Problem, dass der stationäre Handel auch wirklich Steuern zahlt, dann im Nachteil ist.
00:14:28: Und das darf natürlich nicht sein dass uns da quasi die guten Produkte wegsterben zugunsten irgendwelcher Billigmarken, die mit ja wirklich dreisten Shoppingmodellen mehr so unser Glücksspiel gehören ansprechen als dass wir dann eine rationale Entscheidung treffen.
00:14:42: und da wollen wir eigentlich nicht hin.
00:14:44: Jessica siehst du es genauso?
00:14:46: Ja also Bin ich komplett bei dir.
00:14:48: Man muss bedenken, dass T-Moschinen und Co.
00:14:51: sind einfach nicht nur billige Anbieter sondern das dann wirklich digitale Nachfragebeschleuniger die dich psychologisch stimulieren, dass man sagen kann Adieu Impulse Kontrolle Wie du schon sagst, was man auf jeden Fall dabei bedenken sollte.
00:15:05: Dass eben auch der stationäre Handel dagegen ankommen kann ist dass man sich fragen muss welche Leistung können denn die Plattform strukturell schlechter erbringen als sehr normale Handel?
00:15:15: und das sind einmal natürlich Vertrauen Eine Beratung, ein richtiger Service, eine lokale Nähe.
00:15:21: Reparatur das angeboten werden kann auch kuratierte Sortivente und nicht nur wie man es bei Schiin und Timo kennt alles in drei hundert Farben und oft auch sinnbefreit.
00:15:31: Und natürlich auch die soziale Interaktion.
00:15:34: Das wären wichtige Dinge um sich damit zu beschäftigen.
00:15:37: gleichzeitig muss man aber auch sagen dass Omni Channel heute natürlich keine Innovation mehr ist sondern natürlich eine komplette Basis Erwartungen Und die Trennung zwischen online und offline bei den Kundinnen ja eigentlich nicht mehr so richtig existiert.
00:15:51: Aber man muss auf jeden Fall bei diesen ganzen günstigen Plattformen sehr aufpassen, weil es wirklich nur auf hohe Transaktionen ausgelegt ist – und natürlich nicht auf Nachhaltigkeit oder Langelebigkeit.
00:16:04: Ja bin ich ganz bei dir Jessica!
00:16:06: Ich denke das was du gesagt hast, dass der stationäre Handel seine Vorteile auch ausspielt, da sehe ich noch ein großes Potenzial.
00:16:14: Also gerade was eine richtig gute fachliche Beratung angeht ist glaube ich noch viel zu holen im Einzelhandel aber auch was die ganzen Services angeht.
00:16:23: also Ich möchte nämlich beim Umtauschen eines Produktes nicht schämen müssen dass ich danach frage oder wenn ich neues Elektrogerät kaufe das ich nicht irgendwie gucken muss wo kann ich denn hier überhaupt meinen alten Wasserkocher zurückgeben?
00:16:34: und dann habe ich das Gefühl damit ich schon wieder dem stationären Verkäufer oder der Verkäuferin lässt sich sondern Und wenn der Handel das ausspielt und sagt, hey wir machen deine Consumer Experience richtig gut.
00:16:49: Du fühlst dich wohl bei uns.
00:16:50: Das ist nicht so wie im Onlinehandel.
00:16:51: wo dann denkst du was mache ich jetzt mit den Sachen?
00:16:53: Und umtauscht funktioniert auch irgendwie scheiße.
00:16:56: Da muss noch ein Umdenken stattfinden, diese Vorteile viel stärker herauszukehren.
00:16:59: Dann kommen wir auch dahin, dass die Leute sehr gerne wieder stationär kaufen, auch wenn es ein bisschen teurer ist als die super billig Produkte, die eh nicht lange halten.
00:17:07: Ja und auch langfristig verstehen was es am Ende kostet, zehnmal günstig zu kaufen anstatt einmal ein bisschen Teurer.
00:17:15: dafür hast du aber auch... Ein richtigen Service, einen richtigen Ansprechpartner.
00:17:19: Hast das beste Produkt für deine Bedürfnisse durch die Beratung erhalten?
00:17:23: Wenn was mit dem Produkt ist kannst du wieder da hingehen und dir wird geholfen... Also es ist halt besser als immer wieder neu zu kaufen günstig und dann doch wieder wegwerfen zu müssen oder zu merken, umist der Mini Beamer für vierzig Euro funktioniert ja leider nach einer Woche nicht mehr.
00:17:40: Schade!
00:17:41: Genau.
00:17:42: Und das muss der Handel aber auch nochmal gut erklären.
00:17:43: und aktuell ist es eher so, dass die Stiftung Waren-Testes gut erklärt was beim Produkt wichtig ist, aber nicht die Verkäufer im Einzelhandel.
00:17:50: also es ist meine Erfahrung wenn ich danach nach ökologischen Kriterien frage oder nach speziellen technischen Modifikationen die für mich Langebigkeit bedeuten dann gucke ich meistens in fragende Augen.
00:18:01: da ist glaube ich noch ein bisschen Fortbildungsbedarf bei dem Einzelhandel oder bei den Verkaufspersonal zumindest und
00:18:07: wohl auch noch Kommunikationsbedarf vielleicht auch Das wissen, was im stationären Handel da ist auch nach draußen zu tragen und die Verbraucherinnen darüber auch zu informieren.
00:18:18: Stichwort zum Beispiel Nachhaltigkeit Rücknahmesysteme
00:18:20: etc.,
00:18:21: was ja Timo und Chein nicht bieten
00:18:24: können.".
00:18:24: Kommen wir in dem Zusammenhang nochmal sowieso auf das Thema Nachhaltigkeit und da ist auch mal Stichwort Label-Dschungel.
00:18:32: Das ist ja auch ein Thema Philipp, was dich sehr beschäftigt.
00:18:36: wenn ich bei Rewe & Co oder auch im Elektrofachmarkt bin mir Produkte angucke dann sehe ich darauf meistens eine Menge Label die vielleicht auch Nachhaltigkeit versprechen aber als Konsument meistens vielleicht auch zur Faubi nachzugucken, wofür die alle stehen oder einfach überfordert bin aufgrund der ganzen kleingedruckten Symbole, die ich dort sehe.
00:18:58: Brauchen wir vielleicht weniger Labels, die dafür strengere Standards folgen?
00:19:03: Ja, das ist eine schwierige Frage.
00:19:04: Die kann man leider nicht so pauschal beantworten.
00:19:06: Also der Label-Dschungel ist definitiv ein Problem.
00:19:09: Wir erleben es auch dass Verbraucherinnen überfordert sind und dann kann sich auch gar nicht irgendwie zehn Textilsiegel, zehn Lebensmittelsiegel für sonstige Produkte merken sondern vielleicht fünf gute.
00:19:20: Das Bio-Siegel den blauen Engeln und vielleicht noch ein paar andere dazu je nachdem was relevant ist und das vermitteln wir auch in Seminaren und Workshops die wir geben.
00:19:27: Es sind einfach viel zu viele.
00:19:28: Ich habe nicht die Zeit, jedes Siegel nachzuschlagen wenn ich gerade einkaufen bin – das macht es nicht leicht!
00:19:34: Die Siegelkriterin strenger zu machen.
00:19:36: was du vorschlägst ist aus unserer Sicht natürlich irgendwie gar nicht schlecht.
00:19:40: aber das bedeutet auch dass es wieder weniger Siegelnehmer gibt und ich dann das Problem hab überhaupt ein gutes Produkt im Handel zu identifizieren.
00:19:47: deswegen ist es eigentlich schon gut dass die Siegel verschiedenstrengend sind aber ich weiß es in der Regel ja gar nicht.
00:19:52: Welches Siegel ist jetzt das strengste oder das beste für meine Bedürfnisse?
00:19:56: Das wird sich aber in Zukunft doch ändern.
00:19:58: Wir haben ja die EMCO-Richtlinie, also Empowering Consumers Rights Richtlinie auf EU-Ebene und die sorgt eben dafür dass Siegel oder Nachhaltigkeitsauslobung auf Produkten jetzt im Zukunft quasi auch belegt sein müssen.
00:20:12: Also da ich nicht einfach sagen kann diese Bohrmaschinen ist nachhaltig weil irgendwo auf der Welt eine Bohr Maschine existiert, die halt ökologisch schlechter ist, die mehr Energie verbraucht sondern ich muss das belegen können.
00:20:21: Und da gehen wir schon davon aus, dass vielleicht dann in Zukunft weniger Produkte gesiegelt werden aber die dann verlässlicher sind.
00:20:28: Das ist zumindest ein guter Wurf den die EU da gemacht hat und wir werden es natürlich dann beobachten wie sich entwickelt.
00:20:34: Aber das ist so... Die Schätzung wird auf jeden Fall besser für Verbraucherinnen sich zu orientieren
00:20:39: Du hast jetzt schon MCO angesprochen Jetzt muss ich gar nicht aussprechen Den langen Titel, das freut mich sehr Ist Queenwashing immer noch ein großes Problem aus deiner Sicht auch im Handeln und bei Unternehmen?
00:20:49: Ja, definitiv schon.
00:20:50: Wir beobachten das gerade.
00:20:51: wir sammeln Produkte wo Greenwashing Verdacht nahe liegt.
00:20:57: es gibt viele Aussagen zur Nachhaltigkeit auch zu sozialer Nachhaltigkeits die in unseren Augen eher fragwürdig sind oder nur sehr schwach belegt.
00:21:06: Das sehen wir schon auch im Bereich Verpackungen steht da irgendwie drauf zu hundert Prozent recycelbar wo man weiß ja es funktioniert im Idealfall Aber die meisten Recyclinganlagen schaffen das eben nicht.
00:21:17: oder dass einfach nachwachsende Rohstoffe pauschal gut sind, was auch nicht stimmt.
00:21:21: Auch Kunststoff kann durchaus ja nachhaltig als Verpackung sein und das wird sich glaube ich mit der MCOR nochmal sehr stark relativieren.
00:21:29: also da wird das Greenwashing zurückgedrängt.
00:21:31: Hersteller und Handel dann wieder neue Wege finden, Greenwashing zu betreiben ist natürlich offen.
00:21:36: Da haben wir immer ein Auge drauf und informieren dazu aber es ist auf jeden Fall schon mal ein guter Schritt jetzt.
00:21:41: Ist das eine Entwicklung?
00:21:43: Ich würde sagen die auch einen Vertrauensverlust seit der Konsumentin für Begrifflichkeit wie Nachhaltigkeit oder... grüne Produkte mit sich bringt.
00:21:51: Ja, das ist so ein bisschen zweigeteilt.
00:21:53: also es gibt den den kritischen Konsumenten, es gibt ja nicht denen Verbraucher an sich sondern sehr verschiedene Gruppen.
00:21:58: die kritischen Konsument haben auf jeden Fall einen Vertrauensverlust erlebt einfach dadurch dass es eben genügend Skandale gab mit Greenwashing und sagen uns Verbraucherin auch offen wenn wir mit ihnen mal irgendwie sprechen die sagen ach das doch eher alles gelogen was da drauf steht.
00:22:10: ich informiere mich lieber neutral irgendwo anders bei über uns zum Beispiel oder bei anderen Institutionen.
00:22:16: Aber es gibt natürlich auch immer die Gelegenheitskäufe, wo ich gar nicht die Zeit habe mich zu informieren.
00:22:20: Und auch da man beobachtet ja nicht umsonst sind viele Lebensmittelverpackungen irgendwie grün oder in so einem Altpapierlook obwohl das Produkt überhaupt nicht nachhaltig ist.
00:22:28: aber es wirkt so und wird dadurch tatsächlich besser gekauft.
00:22:32: Du hattest gerade schon auch sozusagen soziale Aspekte angesprochen.
00:22:38: jetzt kommt ein ganz langes Wort dass deutsche Lieferketten Sorgfaltspflichtengesetz richtig kurz KSG verpflichtet Großunternehmen zur Einhaltung von Menschenrechten und grundlegenden Umweltstandards entlang ihrer gesamten globalen Lieferkette.
00:22:53: Das war auch lang.
00:22:54: Ist das Gesetz aus deiner Sicht erfolgreich bisher?
00:22:57: Kann man noch nicht so sagen, nee also das Gesetz war ja im Ursprung viel strenger gedacht... für viel mehr Unternehmen, aber auch mit viel strengeren Kriterien.
00:23:06: Dann wäre das Gesetz wirklich ein guter Wurf gewesen.
00:23:09: und jetzt ist das Gesetz leider so weit aufgeweicht dass es nur für sehr große Unternehmen gilt die das beachten müssen und viele Aspekte eben auch gar nicht so streng überwacht werden.
00:23:20: Das ist natürlich irgendwie seltsam, weil wenn man Verbraucher infragt egal welche niemand möchte Produkte kaufen die unter irgendwelchen ausbeuterischen Bedingungen wie Kinderarbeit oder massiver Umweltverschmutzung produziert werden.
00:23:31: das ist jetzt aber noch in vielen Fällen möglich.
00:23:33: also da verstehe ich auch die Abgeordneten nicht die dagegen gestimmt haben und das Gesetz haben aufweichen lassen.
00:23:39: Man kann natürlich sagen ja dass es eine Anstrengung für die Wirtschaft stimmt Die Leute wollen noch gute Produkte.
00:23:47: Niemand möchte, dass irgendwo Kinderarbeit stattfindet und Menschen sich vergiften und frühzeitig an Krebs sterben nur damit ein Produkt besonders billig ist.
00:23:55: Das kann es nicht sein!
00:23:57: verstehe ich einfach die Politik nicht, warum so entschieden wurde.
00:24:00: Das hat nichts mit Wahlergebnissen zu tun sondern das ist dann ganz klar politischer Lobbyismus der das abgewendet hat.
00:24:06: und das gleiche gilt auch für die entwaltungsfrei Richtlinie die es ja auch geben soll wo März auch gesagt hat dass machen wir schon wieder irgendwie rückgängig und wickeln das ab.
00:24:14: das darf nicht sein.
00:24:16: also richtlinien sind sie auch ein Thema gerade auch für Unternehmen Jessica weil es geht immer mehr um Transparenz um auch zu gucken Was man alles erfüllen muss, sind Themen wie LKSG für Handel aber auch für Produzierenunternehmen mit denen du zu tun hast ein Thema.
00:24:33: Mit den sie sich beschäftigen?
00:24:35: Ja müssen.
00:24:35: also für die gilt ja auch das Lieferketten-Sorgfatzpflichtengesetz.
00:24:39: Es ist natürlich jetzt auch nicht so neu für die für die Handelsunternehmen.
00:24:43: es war lange klar dass es kommt.
00:24:45: Auch die Ausgestaltung ist jetzt schon länger bekannt.
00:24:47: Die Unternehmen sind in der Regel schon relativ gut darauf vorbereitet.
00:24:51: Ich würde sagen, weil es rechtlich natürlich sonst auch schwierig wird und das hat ja auch ein paar andere Konsequenzen die für die Unternehmen unangenehm sind.
00:25:00: Das Wissen ist im Markt, würde ich sagen.
00:25:03: man versucht es so gut wie möglich umzusetzen.
00:25:05: Natürlich ist es nicht so einfach gerade als Handelsunternehmen dass natürlich Produkte einkauft, die wiederum eine Menge Unterkomponenten haben wo man dann teilweise überhaupt keinen Überblick mehr hat.
00:25:15: Da ärgern sich natürlich auch die Handelsunternehmen, wie sie das lösen sollen.
00:25:20: Ich habe aber auch keine Lösung dafür um ehrlich zu sein außer dass man wahrscheinlich einfach anfangen muss, dass es gut wäre.
00:25:29: also was wir merken zum Beispiel ist der Handel vernetzt sich enorm untereinander.
00:25:33: Das kennen wir so von produzierenden Unternehmen nicht, dass sie derart offen miteinander agieren Aber reden sehr offen untereinander, auch innerhalb der eigenen Branche darüber.
00:25:44: Was sind so deren Herausforderungen?
00:25:46: Wie begegnen Sie den und teilen auch Ihre Daten miteinander und ihre Art und Weise wie sie Lieferkettenprobleme lösen?
00:25:53: So da denke ich das wird einfach eine Weile dauern aber dann wird es da in einer Art Basis, weiß nicht Netzwerk Information Daten geben um dem Ganzen besser begegnet zu können.
00:26:07: Jetzt muss ich noch einen Schritt zurück machen, weil wir haben das gerade schon mal angesprochen gehabt.
00:26:12: Das Thema Reparatur ist ganz kurz gefallen.
00:26:15: Ich denke Philipp da wirst du mir auch recht geben dass gerade Reparaturservices für den stationären Handel in Zukunft ein ganz wichtiges Fund sein können um Kunden zu binden.
00:26:27: was gibt es denn da aktuell schon und wie kommunizieren die Unternehmen?
00:26:32: Ja also ich denke auf jeden Fall in der Zukunft für den Handel viel wichtiger wird als bisher.
00:26:39: Aktuell sehen wir eigentlich eher das Handel und Hersteller, dass ein bisschen verschlafen haben.
00:26:43: also man merkt es an diesem Boom der Repair Cafés.
00:26:45: Es gibt weit über tausend repair Cafes in Deutschland selbst in den kleinsten Ortschaften weil einfach der Bedarf da ist.
00:26:51: und wenn dieser Bedarf nur ehrenamtlich gedeckt werden heißt es eigentlich ein wirtschaftliches Versagen dahinter weil man hätte das durchaus kommerzialisieren können.
00:26:59: Da denke ich schon, dass das gerade der stationäre Handel eben als Anlaufstelle da wo ich das Produkt gekauft habe kann ich es auch reparieren lassen.
00:27:07: Sehr gute Chancen hat da eine Kundenbindung zu generieren.
00:27:10: Das muss natürlich dann so sein, dass es abezahlbar ist.
00:27:13: Klar, das ist immer schwierig wenn ich jetzt ein Produkt in Asien für wenige Cent die Stundenlohn herstelle und dann hier Facharbeiterinnenlohen dann die Reparaturkosten gegenrechne.
00:27:24: Aber da muss man auch sagen, viele Produkte sind ja so extrem schwer reparierbar.
00:27:28: Dass also auch die Profireparateurinnen lange brauchen das Ding erst mal zu öffnen und wieder zuzumachen am Ende Das könnte man wenn man es besser konstruiert viel weiter beschleunigen Und dann fallen die Personalkosten nicht so ins Gewicht.
00:27:41: Also Ökodesign ist die wichtigste Voraussetzung besser zu reparieren und auch schneller zu reparieren, weil ich möchte ja als Kunde nicht sagen hier mein Laptop ist kaputt.
00:27:49: Ich komme in drei Wochen wieder.
00:27:50: Ich lebe jetzt drei Wochen ohne Laptops.
00:27:52: Es tut niemand.
00:27:54: Das ist eben im Moment noch der Nachteil den viele Reparaturservices zumindest die Unternehmens nahen bieten.
00:27:59: das ist so lange dauert ne?
00:28:01: Der kleine Handyshop am Bahnhof sagt ja geh eine Stunde einkaufen danach kannst dein Handy wieder abholen mit neuem Akku.
00:28:07: Das läuft!
00:28:07: Und denke da muss auch der stationäre Handel noch hin oder auch die Hersteller viel schneller reparieren vor Ort mit persönlicher Ansprache und nicht nur sagen, oh wir verbauen dir den Original Akku der kostet aber vierzig Euro anstatt zu sagen hey es gibt einen Ersatzakku von einem anderen Hersteler.
00:28:24: Fast genauso gut, ist aber nur zwanzig kostet.
00:28:26: Ja dann ist es auch attraktiv und ich glaube da muss man einfach mal hinkommen ein bisschen abzuspecken und nicht zu sagen wir machen die maximal beste Reparatüfe ein Gerät was eigentlich gar nicht reparierbar gestaltet ist sondern wir haben Geräte die leicht reparierbare sind und nehmen auch günstige Ersatzteile.
00:28:41: Da gibt's ja jetzt auch die Gesetzesänderung das es in Zukunft so kommen soll.
00:28:46: Aber klar, die Wirtschaft muss da einfach mal ein Auge drauf haben und sich Geschäftsmodelle überlegen.
00:28:51: Die konkurrenzfähig sind.
00:28:52: zum Repair-Cafe.
00:28:53: Dann läuft das auch.
00:28:54: Jessica?
00:28:55: Ja!
00:28:55: Der Handel wurde ja auch in der ganzen Diskussion um Circular Economy bisher massiv unterschätzt hat sie vielleicht auch selber ein bisschen unterschetzt denn er sitzt hier an einer strategischen Schlüsselstelle zwischen Produktion und Konsum und deswegen entscheidet ja der Handel ja auch wirklich maßgeblich.
00:29:10: mit Welches Produkt wurde überhaupt sichtbar für die Kundinnen?
00:29:14: Welche Informationen erhalten sie und welche Geschäftsmodelle können überhaupt skaliert werden, und welche Anforderungen schicke ich dann wieder zurück an die Lieferkette.
00:29:23: Und deswegen ist Circular Economy für den Handel eben auch mehr als Recycling was du schon sagst oder reparieren.
00:29:31: es geht wirklich um eine neue Wertschöpfungslogik.
00:29:33: wir haben Repair Wir haben Refurbishment Secondhand Produkt-Assist Service, Rücknahmesysteme das ganze wieder in den Markt bringen und dass es ökonomisch für den Handel hochrelevant wird bisher noch nicht so bespielt wie es bespielt werden könnte.
00:29:49: Und deswegen ist es eben nicht ein reines Nachhaltigkeitsthema für den handel sondern wirklich eine Wettbewerbsstrategie gerade für Europa wenn wir jetzt mal zurück wieder gucken auf die Plattformen wie Schein und Temu.
00:30:01: Jessica, du hast ja viel mit Handelsunternehmen zu tun.
00:30:03: Hast Du vielleicht ein paar konkrete Beispiele für solche neuen Geschäftsmodelle?
00:30:09: Was wir vermehrt bei Handels-Unternehmen sehen – egal ob das jetzt stationärer Handel ist, reines eCommerce, technischer Handel also relevant welche Branche Das Handels Unternehmen angehört ist dass KI immer mehr ein Werkzeug wird effizienter zu werden.
00:30:27: Also wenn wir zum Beispiel auf den technischen Handel gucken der technische handel ist in der Regel historisch entstanden.
00:30:33: Da gibt es Datenblätter, dann muss ein Teil nachbestellt werden und dann muss irgendjemand in den Keller gehen und gucken ob es dieses Datenblatt noch gibt oder wenn nicht gibt's ein Problem.
00:30:43: Das heißt du hast eine Menge Ausschuss, eine Menge Materialverlust und natürlich auch deine Datenlage nicht so richtig um gut arbeiten zu können.
00:30:52: Und da hilft zum Beispiel KI dabei diese Informationen zusammen aufzubereiten und schneller zu agieren.
00:31:00: Da kommt eine E-Mail rein, da wird auch automatisch zurückgeschickt.
00:31:03: Ja das ist so und so lang gedauert bis es wieder zurück geschickt wird ohne dass jemand überspitzt gesagt jetzt erstmal in den Keller gehen muss und selber diese E-mail zurückschreibt.
00:31:11: Jessica, du hast jetzt das Beispiel KI genannt.
00:31:14: wie unterstützen die Eva Handelsunternehmen bei der Transformation konkret?
00:31:19: Die größte Herausforderung vieler Unternehmen ist aktuell ja nicht deren fehlender Wille, sondern eher die operative Umsetzung.
00:31:26: Denn viele wissen natürlich schon grundsätzlich das.
00:31:28: Circular Economy oder Ressourceneffizienz oder nachhaltige Transformationen nenn es wie du möchtest dass diese Punkte relevant sind.
00:31:35: aber die eigentliche Frage lautet Ja wo beginne ich jetzt konkret?
00:31:39: Und was bringt mir wirtschaftlich etwas und wie integriere ich das in meine bestehenden Prozesse?
00:31:45: Und genau dort setzen wir als Eva an, denn wir wollen natürlich nicht nur abstrakt über Nachhaltigkeit sprechen sondern Transformationsfähigkeit auch praktisch übersetzen.
00:31:54: Also wir schauen wie verändern sich dann überhaupt die Sortimente auch in der Art und Weise wie jetzt gewirtschaftet wird auch im Sinne einer Circular Economy?
00:32:02: und welche Rolle spielen zum Beispiel Reparaturmodelle Wie du schon angesprochen hast Philipp.
00:32:07: Wir können Rücknahmesysteme können Wiederverkaufssysteme überhaupt funktionieren im Handel.
00:32:12: Wie verändert auch KI diese ganzen Transparenzanforderungen?
00:32:17: Welche regulatorischen Entwicklungen kommen auf die Unternehmen zu?
00:32:21: und das Entscheidende ist, dass die Nachhaltigkeit eben nicht nur so ein isoliertes CSA Thema sein darf sondern dass es eben auch wirklich Teil von einer strategischen Zukunftsfähigkeit ist.
00:32:32: und dabei unterstützen wir in der Beratung, in der Finanzierung aber auch eine Öffentlichkeitsarbeit.
00:32:38: Nun finden ja zu dem Thema auch viele Veranstaltungen der Eva statt.
00:32:41: Wie wichtig ist es für die Unternehmen, diese auch zu nutzen und zu Netzwerken?
00:32:45: Welche Rolle spielt da die E-Form auch eine Plattform zu bieten?
00:32:48: Wie
00:32:49: ich es vorhin schon mal angesprochen habe – Der Handel ist sehr stark darin sich untereinander zu vernetzen Und wir merken das in den persönlichen Gesprächen mit den Handelsunternehmen, dass sie aktiv danach fragen Wir Veranstaltung bewerben, was dann für andere Unternehmen dabei sind.
00:33:06: Weil sie wirklich den Impuls haben und den Drang haben sich mit anderen Unternehmen zu vernetzen.
00:33:11: Deswegen ist das ganz schön.
00:33:13: Es liefern wir natürlich Informationen Einmal Best Practices die wir mit Unternehmen erarbeitet haben.
00:33:21: Auf der einen Seite laden wir aber auch immer Expertinnen ein Und es ist eben auch ein schöner Raum um miteinander zur Netzwerke und sich verbinden.
00:33:29: daraus auch schon viele gemeinsame Projekte entstanden von unterschiedlichen Handelsunternehmen oder unterschiedlichen Partnern innerhalb der Wertschöpfungskette, die vorher überhaupt gar nichts miteinander zu tun hatten.
00:33:40: Oder die aus komplett fremden Branchen kamen.
00:33:42: aber einer hat eine Lösung, der andere hat diese Lösung gesucht und dann haben sie gemeinsam Projekten abgebildet.
00:33:51: Apropos Kommunikation, würdest du sagen dass Handel und Konsumentin sich genug austauschen gerade zum Thema Nachhaltigkeit?
00:33:58: Auf gar keinen Fall.
00:34:00: Also Luft nach oben!
00:34:01: Ich guck mal Richtung Philipp.
00:34:03: Ja ich würde auch sagen da besteht noch viel Potenzial in der Nachhaltigkeitskommunikation.
00:34:07: also nur ein Siegel drauf zu drücken reicht halt nicht.
00:34:11: wenn kommuniziert wird dann soll es natürlich auch kein Greenwashing sein indem Spannungsfeld steht.
00:34:15: der Handel das ist immer eine Herausforderung dann ehrlich zu kommunizieren Und man muss ja auch einfach sehen, wie viel Zeit haben Konsumenten sich damit zu beschäftigen.
00:34:24: Bei teuren Produkten sicher mehr.
00:34:26: Im Lebensmittelbereich ist das Bio Siegel einfach etabliert und es wird gekauft.
00:34:30: Man muss aber glaube ich auch die Frage stellen, macht es Sinn, einzelne Spitzenprodukte zu haben?
00:34:35: Die besonders nachhaltig sind von den fünf Prozent superökologischen Verbrauchern gekauft werden?
00:34:41: Oder sind so Initiativen, wenn zum Beispiel große Handelsunternehmen sagen wir wollen beim Tierwohl einfach die schlechtesten Stufen ausfäden und das Sortiment insgesamt anheben.
00:34:50: Ich glaube da ist für die Nachhaltigkeiten ein sehr großes Potenzial dass man sagt wir machen unser Sortiment insgesamt besser als nur einige Produkte sehr gut zu machen dann ist allen gedient dann brauche ich nicht so viel Zeit.
00:35:03: der Handel kann sich auch gut darauf einstellen kommt auch preislich gut hinterher.
00:35:07: Das denke ich ist ein gutes Modell, da weiter voranzuschreiten und da tauschen wir uns auch immer gerne mit dem Handel oder auch mit Herstellern aus.
00:35:15: Also ich freue mich auf Eva-Vereinstaltung dann mal mit Vertretern der Wirtschaft zu reden und zu sagen so wie was bewegt euch gerade?
00:35:22: Warum macht ihr das nicht?
00:35:23: oder was klappt da grade gut?
00:35:26: Und dann eben auch die Konsumentensicht wieder zurückzuspiegeln, die er bei uns in den Beratungsanfragen sich immer niederschlägt.
00:35:33: Jessica.
00:35:34: Hast du ein Beispiel für eine gute Nachhaltigkeitskommunikation von einem Handelsunternehmen?
00:35:40: Boah, so spontan finde ich es richtig schwierig das zu sagen.
00:35:43: also klar es gibt halt so diese Ökomoder Anbieter die machen das natürlich sehr explizit.
00:35:49: viele nutzen Social Media dazu.
00:35:50: aber ich wüsste jetzt nicht wo man sagt so dass ist jetzt so ein Leuchtturm Beispiel wo es so richtig gut läuft aus unserer Sicht.
00:35:58: und Du als Konsument was würde Dich erreichen?
00:36:02: Mich erreichen natürlich vor allem ehrliche Kommunikation und das fehlt mir noch in vielen Fällen.
00:36:08: Das sind dann eher Sonnischeneinbieter, die sich da jetzt schon drauf stürzen, dass es sehr transparent und ehrlich zu machen.
00:36:14: aber es kostet mich auch Zeit.
00:36:18: Mir fällt tatsächlich eine Eigenmarke ein von einem Lebensmittelhersteller.
00:36:23: Die haben eine Kaffeekooperative, die direkt unterstützt wird.
00:36:26: Das ist alles sehr transparent auf der Verpackung dargestellt, ist auch wieder viel zu lesen.
00:36:30: Aber wenn ich morgens Zeit habe zum Kaffee trinken, kann ich auch mal kurz lesen was auf der Perfektion drauf steht und das erstmal schmeckt es gut.
00:36:37: Und es ist halt Bio-und Fairtrade und dann weiß ich, ah das eine reine Frauenkooperative und so... Das ist ne coole Story!
00:36:43: Damit kann man mich gut catch'n, auf jeden Fall.
00:36:46: Ich glaube
00:36:48: Story ist ein gutes Stichwort.
00:36:50: Wie wichtig ist es?
00:36:52: Da gucke ich jetzt in beide Richtungen für den Handel auch Geschichten zu erzählen, die vertrauenswürdig sind um die Verbraucherinnen für nachhaltige Produkte zum Beispiel zu begeistern.
00:37:03: Ja, Storytelling ist immer gut.
00:37:05: Also nicht umsonst machen sich viele Menschen die Mühe mit dem Auto am Wochenende zum Hofladen zu fahren weil das ist die Story.
00:37:12: da kennen sie die Landwerte, die das anbauen.
00:37:14: Da sind die Leute, die Sachen direkt verkaufen.
00:37:18: man kann sich den Acker angucken und der Ziege Hallo sagen nachdem er eingekauft hat.
00:37:24: Das ist ja eine richtig coole Story.
00:37:26: Es geht natürlich im Alltag, im Großhandel schwieriger aber auch da kann man die Stories erzählen wenigstens auf der Verpackung oder irgendwie mit Videos die man dann zur Verfügung stellt.
00:37:37: ob das dann geklickt wird?
00:37:38: Ja!
00:37:38: Aber ein gewisser Prozentsatz wird es sich angucken und sich daran erfreuen.
00:37:42: Aber auch da ist wieder das Problem in der Vergangenheit leider auch zu viele falsche Stories erzählt worden.
00:37:47: also dass ist auch wieder so ein Vertrauensverlust weil eben einige blöde Trittbrettfahrer damit natürlich auch wieder einen mehr oder weniger tolles Umwelt-Szenario entwickeln, egal ob es jetzt sozial oder ökologisch ist.
00:38:00: Was aber gar nicht stimmt wenn man dahin schaut und da ist halt noch viel Luft nach oben.
00:38:05: also einfach wenn man sich schon an die Abbildung von glücklichen Tieren auf fleischhaltigen Lebensmitteln.
00:38:12: Diese Tiere sind nicht glücklich in der Regel.
00:38:13: Das sind große Intensiv-Tierhaltungsstelle, wo die Tiere nicht happy sind und es sieht aber immer so aus als wären wenige Tiere auf einer grünen Weide und würden da gesund alt werden zufällig sterben und dann würde man das Schnitzel essen.
00:38:26: also da muss natürlich auch den Nachhaltigkeitskommunikation auch vielleicht juristisch ein bisschen angepasst werden dass man sagt so wirklich falsche Darstellungen dürfen gar nicht mehr auf Lebensmittel drauf oder auf andere Produkte.
00:38:39: Wie siehst du es denn von der Handelsseite Herr Schessiker?
00:38:41: Erzählt der Handel genug, wahre Geschichten um Kunden zu binden?
00:38:47: Ich möchte mir nicht anmaßen das einzuschätzen.
00:38:49: Aber da ist auf jeden Fall noch viel Potenzial.
00:38:53: da nochmal ganz kurz auf den Hofladen.
00:38:55: Da würde ich gerne nochmal kurz darauf eingehen.
00:38:58: Das zeigt natürlich diese Interaktionsqualität die wir schon mal kurz besprochen haben.
00:39:01: Auf der einen Seite hast du eben nicht nur Hofladens als Handel wo du ein Produkt kaufen kannst.
00:39:07: Wir sagen jetzt mal, der Hofland verkauft Obst und Gemüse und sind nicht beim Schnitzel.
00:39:12: Du hast gleichzeitig auch das Narrativ also eine tolle Storytelling.
00:39:16: dann hast du gleichzeitig Bewegungen Bildung.
00:39:19: Also du hast wirklich eine Aktivität die du mit deinen Kindern machen kannst wie du mit deinem Freund machen kannst.
00:39:24: es ist eben nicht mehr nur reine Transaktion ne Gurke gekauft tschüss sondern du hast einen Tag den du da verbringen kannst eine Freizeit die ich damit aktiv gestalte
00:39:34: Um das jetzt mal etwas provokant zu sagen, ist manchmal das Thema Nachhaltigkeit vielleicht nicht sexy genug um es als Story zu verkaufen.
00:39:41: Hast du dafür Beispiel?
00:39:42: Ja wenn man Nachhaltigkeit wirtschaftlich skalieren will dann muss man die moralische Komponente rausnehmen.
00:39:50: Dann funktioniert es eher in der Markenkommunikation.
00:39:55: Es gab einen Spaten Der wurde sehr ressourceneffizient gestaltet, das heißt ich hatte wirklich eine Materialeinsparung.
00:40:01: Eine hohe Energieinsparungen.
00:40:02: dann war er noch ergonomisch so gestaltet dass man weniger Rückenschmerzen kriegt.
00:40:07: Es gab eine Studie dazu, die gesagt hat ja Gartenarbeit ist gut für die Gesundheit und dann war die Markenkommunikation dieses Produkt es gut für deine Fitness.
00:40:17: Die markenkommunikation war nicht.
00:40:19: das hier ist ein nachhaltiger oder ressourceneffizienter spaten.
00:40:23: soweit Das war einfach nicht sexy genug.
00:40:25: inzwischen würde das Ganze funktionieren aber so ressourceneffizient ersparte würde jetzt im wording nicht funktionieren.
00:40:31: Man muss das moralische rausnehmen und braucht Ein paar schöne Umschreibungen, die quasi das gleiche Ziel haben.
00:40:37: Aber vielleicht nicht mehr das Wort Nachhaltigkeit oder Ressourcenschonung oder ressourceneffizienz haben?
00:40:42: Weil entweder sind diese Begriffe zu langen oder sie sind schon wieder zu abgegriffen oder das Vertrauen ist nicht da... Ich weiß ja schon unterschiedlichen Themen hatten, das manchmal leidet.
00:40:52: Sondern man muss da eine neue Geschichte aufbauen zum Beispiel über Traditionen lange Handelsunternehmen die schon lange im Markt sind und ihre Tradition lange haben sie aber intrinsisch weiterentwickelt haben also so wie du schon sagtest Philipp mit einer schönen Story die du dir vielleicht auf der Rückseite von einem Produkt durchliest kann man ne schöne Geschichte erzählen wo Vertrauen wieder aufgebaut wird ohne über die Moralinstanz zu gehen.
00:41:16: Kommen wir nochmal zum Thema, ich sage mal Mündigkeit des Konsumenten oder der Konsumentin.
00:41:21: Philipp wäre es aus deiner Sicht vielleicht eine gute Idee nachhaltigen Konsum schon an Schulen zu lernen um den jungen Menschen eigentlich schon sozusagen Rüstzeug zu geben um sich auch im Label-Jungle Thema Queenwashing da ein bisschen zurechtzufinden und zu wissen was zu tun ist?
00:41:41: Bildung ist immer ein ganz wichtiger Ansatz.
00:41:43: Das machen wir auf einen Verbraucheszentralen, dass wir in Schulen gehen und dort Schülerinnen eigentlich alle Altersklassen auch schon in Kitas das Thema Rohstoffkreisläufe thematisieren.
00:41:52: also mit unserem Projekt Kreislaufkita gucken uns den Altpapier kreislauf an die gelbe Tonne und dem Biomüll.
00:42:00: Dass das eben funktioniert, ist ja erstmal die gute Nachricht und dass man eben auch Produkte kaufen kann.
00:42:04: Die nachhaltiger sind oder das Handy länger zu nutzen.
00:42:07: Auch ein guter Beitrag ist das Sehrköller Economy zum nachhaltigen Konsum.
00:42:12: Das ist auf jeden Fall elementar schwierig es natürlich zeitlich in die Schulen reinzukommen weil der Unterricht immer dichter wird.
00:42:19: Dann sollen noch gesunde Ernährung, Finanzbildung und so weiter an sofort alles unterrichtet werden.
00:42:24: Und dann ist man natürlich mit diesen dreizehn Schuljahren die man ja maximal haben kann auch irgendwie richtig dicht.
00:42:29: das ist natürlich schwierig da abzuwägen was muss jetzt die Schule leisten?
00:42:33: Was muss das Elternhaus leisten Was müssen sich Leute vielleicht auch privat angucken?
00:42:37: Das ist irgendwie so ein Spannungsfeld, das wir nicht lösen können.
00:42:41: Aber klar ist Bildung für nachhaltigen Konsum schon elementar und es ist ja eigentlich auch in den SDG vorgesehen, dass dann eben Bildung von nachhaltiger Entwicklung mehr Anklang findet.
00:42:51: In dem Curricula für die Lehrpläne steht's auch teilweise drin.
00:42:55: Trotzdem sind die Lehrerinnen natürlich sehr unter Druck, das irgendwie da einfließen zu lassen.
00:43:00: Das ist glaube ich eine große Herausforderung, vor der ich auch Respekt habe.
00:43:04: Wir versuchen, dass so gut es geht und ich denke diese Bildung ist aber Aufgabe von allen.
00:43:10: Also auch Unternehmen sollten besser und ehrlicher über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen sprechen und das sind ja manchmal auch so winzig kleine Botschaften wie wenn auf der Verpackung draufsteht die Verpacking besteht zu neunzig Prozent aus dem Cycling Material dann ist da gar nicht viel erklärt aber doch irgendwie die Botschaft Hey, Mülltrennung funktioniert und es werden Stoffe im Kreislauf geführt.
00:43:31: Und dann kommen sie wieder als Verpackung zu
00:43:33: dir.".
00:43:34: Das ist natürlich eine gute Message!
00:43:35: Ich würde natürlich nicht deswegen das Getränk den Joghurt oder so kaufen weil die Verpackungen recycelt sind sondern immer noch weil das getränkt ist was mir gut schmeckt.
00:43:43: aber einfach diese Botschaft zu sagen hey das wirkt?
00:43:46: Es funktioniert dafür reicht so ein kleiner Anstoß.
00:43:49: da muss man also noch nicht meine Schulbildungseinheiten machen und hat trotzdem schon mal eine gute Botschaft positioniert.
00:43:54: Und wenn wir das mit vielen Botschaften immer mal wieder hier und da machen, ohne dass es jetzt die Leute überfrachtet, dann kann man glaube ich schon ganz viel Verständnis für Secular Economy haben, ohne diesen sperrigen Begriff ausführlich erklären
00:44:06: muss.".
00:44:08: Noch eine Frage an euch beide – was müsste passieren damit nachhaltige Konsum tatsächlich die einfachste Option wird, Philipp?
00:44:14: Wir brauchen einfach bessere Gesetze!
00:44:16: Also das ist so das Fazit nach vielen Jahren Arbeit in der Verbraucherzentrale, Die besonders schlechten Umtriebe, also zum Beispiel das Produkte die überhaupt nicht verkehrsfähig sind doch in Deutschland verkauft werden können über den Onlinehandel.
00:44:29: Sowas muss einfach abgestellt werden oder gewisse Praktiken, die halt dem Tierschutz völlig widersprechen dass eben dann im Ausland Tiere qualvoll gehalten werden Das Fleisch dann aber in Deutschland Verkauft werden kann wohin gegen deutsche Tierzüchter strengere Kriterien haben.
00:44:45: sowas muss man einfach juristisch unterbinden damit eben Verbraucher auch sicher sein können dass sie die guten Produkte im Laden bekommen oder das, was man kaufen kann nicht das Allerschlechteste ist.
00:44:55: Da ist glaube ich schon ganz schön viel getan beim Juristischen und der Rest freiwillig.
00:45:00: nach oben geht es immer besser.
00:45:01: Das macht der Handel auch die Hersteller in einzelnen Projekten aber dieses Level-Playing fehlt ein bisschen anheben.
00:45:09: Das wäre glaube ich die wichtigste Forderung dass quasi ja die nachhaltige Optionen schon per Default im Regal eingestellt.
00:45:19: Und nachhaltiger Konsum wird erst dann wirklich skalierbar, wenn er nicht mehr anstrengender ist als konventioneller Konsum.
00:45:26: Also aktuell erleben ja viele Verbraucherinnen Nachhaltigkeit hast du hier schon gesagt Als es ist kompliziert Es ist teuer.
00:45:34: Ich brauche Zeit dafür.
00:45:35: Es ist auch immer moralisch aufgeladen Es ist einfach schwer vergleichbar.
00:45:39: Und deshalb sind auch die Dinge entscheidend wie wir brauchen mehr Transparenz, wie du schon sagst.
00:45:44: Wir brauchen andere Standards auch gesetzlich untermauert und wir brauchen auch ein Systemdesign.
00:45:50: also die Menschen müssen einfach schneller erkennen können was hält denn lange?
00:45:55: Was ist reparierbar?
00:45:56: Was es glaubwürdig?
00:45:57: Was is eigentlich normal Marketing?
00:45:58: und wie Du schon angesprochen hast da helfen uns eben auch Regulierung WDM Co oder das Right to Repair Thema damit sich Nachhaltigkeit wegentwickelt von einer rein freiwilligen Kommunikation hin zu einer richtig überprüfbaren Marktlogik, ohne so große Hürden für die Konsumenten da überhaupt heranzukommen oder das zu verstehen.
00:46:20: Oder um über jedes Produkt zu wissen wie es überhaupt hergestellt wird?
00:46:25: Dann möchte ich jetzt sozusagen zu meiner letzten Frage kommen, die ich mit einem Blick in die Zukunft verbinden möchte nämlich wenn ihr fünf oder sogar zehn Jahre in die Zukunft vorausschaut.
00:46:36: Was glaubt ihr, wie wird sich der Handel gerade auch der stationäre Einzelhandel in den zwanzig dreißiger Jahren entwickeln?
00:46:43: Jessica!
00:46:44: Ich würde mal sagen wir sind da vorsichtig optimistisch.
00:46:47: also wir haben ja an den letzten Zahlen gesehen und der Handler holt sich langsam aber erholt sich Und ich denke, der Handel wird in Zukunft deutlich selektiver sein als heute.
00:46:58: Also weniger Verkaufsflächen dafür aber stärkere Profile der Handelsunternehmen.
00:47:04: Das heißt, der reine Mittelweg, der jetzt noch funktioniert, er würde glaube ich schwieriger werden.
00:47:09: was erfolgreich sein wird sind entweder extrem effiziente oder extrem bequeme oder extrem spezialisierte oder extrem vertrauenswürdige Handels Modelle, also dass der Handel eben nicht mehr nur primär Produkte verkauft sondern eher auch was wir schon die Anfänge sehen.
00:47:25: Zugänge organisiert, Services mit Datenarbeit die auch benutzt das trotzdem Vertrauen da ist auch in Nutzungszyklen gedacht wird und dass eben all die Themen die Philipp auch schon mal angesprochen hat zusammenkommen Nicht nur Verkaufs sondern auch Reparatur Rücknahme Refurbishment auch digitale Services Auch vielleicht eine KI gestützte Beratung aber eben nicht nur sondern auch eine richtig echte und ja, auch ne richtige Personalisierung.
00:47:53: Und dass all diese Themen zusammenwachsen im Handel und die eigentliche Transformation ist deshalb eigentlich nicht nur die Digitalisierung das finde ich es viel zu kurz gedacht, sondern dass man... Dass das lineare verschoben wird zu einer datengetriebenen Geschäft, das eben zunehmend zirkulär in seinen Wertschöpfungsmodellen ist und sich das auch ökonomisch trägt wenn man das angeht.
00:48:16: Und Philipp wie sieht's los?
00:48:18: Ja, ich würde mich Jessica anschließen.
00:48:19: Ich sehe das auch so.
00:48:20: es wird viel mehr digitales stattfinden.
00:48:23: Ich bin aber auch echt optimistisch dass das Sterben der Innenstädte auch gestoppt werden kann weil sich einfach dann im bis zu den zwanzig dreißiger Jahren auch der stationäre Handel einfach auf seine Stärken besinnt und eben ja mehr Produkt-as-a-Service Modelle anbietet was natürlich auch die Hersteller betrifft die Geräte so zu konstruieren dass es funktioniert dass es mehrere Pair Angebote gibt gute Rücknahmeangebote vor Ort, sodass eben der reine Onlinehandel auch einfach ein bisschen unattraktiver wird.
00:48:50: Weil ich eben diese gute Consumer Experience und einen guten Kundenservice vor Ort empfinde.
00:48:55: Und eben halt ja dieser sehr aggressiven online Geschäftsmodelle die eigentlich jetzt schon gesetzeswidrig sind dann wirklich mal zurückgedankt werden so dass dann wieder Fairness für alle herrscht, die eben wirklich gute Produkte in den Markt bringen das die das machen können ohne dass irgendwelche Trittwertfahrer davon profitieren.
00:49:13: Das kann man auf jeden Fall schaffen.
00:49:14: Da ist natürlich auch der Handel gefragt, politisch mehr Forderungen aufzustellen und durchzusetzen.
00:49:20: Da hast du recht das sehen wir auch an einer aktuellen Studie.
00:49:22: da wurde die Generation Sie untersucht, die ja sehr viel in der Kurvezeit groß geworden ist und dadurch auch sagen wir mal sehr digital erwachsen geworden ist.
00:49:34: Und dass es da einen beträchtlichen Anteil gibt, die sich einsam fühlen bestärkt ja dein Argument, dass die Innenstädte auf jeden Fall eine Chance haben.
00:49:43: Indem man einfach sagt okay es gibt da einen Bedürfnis nach Nähe, nach sozialer Interaktion was man ja gemeinsam mit seinen Freunden in der Innenstadt machen kann und das wie wir schon gesagt haben der Handel sich entsprechend positionieren muss, dass das eben nicht nur der reine Produktverkauf ist sondern dass man's auch mit einer Aktion verbindet, dass wirklich eine Freizeitbeschäftigung sein kann.
00:50:06: Es freut mich, dass wir positiv in die Zukunft gucken – gerade was auch Handel und Konsum angeht.
00:50:10: Philipp und Jessica vielen Dank für das Gespräch und die Einblick in das Thema Handel & Konsum und Ihnen vielen Dank fürs Zuhören!
00:50:18: Wir freuen uns Sie bei der nächsten Folge von Ressourcenschonensirkulär-Wirtschaften wieder begrüßen zu dürfen.
00:50:23: Und bis dahin lassen sie uns gemeinsam ressourceschonender handeln.
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